Figurenfeld Eichstätt I

Östlich von Eichstätt, im Hessental, zwischen Heidegras und Wacholderbüschen, erstreckt sich auf rund fünfzehn Hektar das schlicht als „Figurenfeld“ bezeichnete Hauptwerk des Bildhauers Alois Wünsche-Mitterecker (1903-1975). Das als Mahnmal gegen Krieg und Gewalt gedachte Ensemble umfaßt 81 teils reliefartige, teils übermannsgroße, aus Portlandzement, Granitsplitt und Basalt gegossene Skulpturen die, an Goya erinnernd, die Schrecken des Krieges schildern: Torsi, tote Kämpfer, Tierkadaver, Kriegsgerät, abstrakte Figurationen. Bei manchen Figuren hat Wünsche-Mitterecker noch Farbpigmente von Schwarz oder Oxydrot hinzugefügt, so daß einige Skulpturen teils rötlich, andere schwärzlich erscheinen wie verkohlte Leichname.
Ohne Auftrag und von Teilen der Öffentlichkeit stark angefeindet, arbeitete Wünsche-Mitterecker seit 1958 an dem Werk, das erst nach seinem Tode fertiggestellt wurde und dennoch unvollständig blieb.
Vielleicht, weil das Kunstwerk sich durch seine Lage inmitten von Äckern, Wäldchen und Schafweiden jeder Präsentation und Vermarktung im weißen Kubus moderner Museen entzieht, ist es bis heute weitgehend unbekannt. Dabei muß Wünsche-Mitterecker den Vergleich mit anderen großen Künstlern seiner Zeit nicht fürchten. Thematisch und formal steht sein Werk u.a. Wilhelm Lehmbrucks „Gestürztem“ (1916), Ossip Zadkines „Die zerstörte Stadt“ (1951), Marino Marinis „Krieger“ (1959) und Reiterskulpturen, Henry Moores „Falling Warrior“ (1956) und „Glenkiln Cross“ (1955), Albin Egger-Lienz’ „Namenlosen“ (1916) und „Finale“ (1918) und Picassos „Guernica“ (1937) nahe.

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